
Veules-Les-Roses ist einen Besuch Wert
Es ist wirklich eines der bezauberndsten Dörfer an der französischen Alabasterküste: Veules-les-Roses. Der kleine Ort in der Normandie wurde als eines der schönsten Dörfer Frankreichs ausgezeichnet. Und das zu Recht. Ein charmanter Ortskern mit alten reetgedeckten Fachwerk- und Steinhäusern lädt zum Bummeln ein. Es gibt zahlreiche gemütliche Cafés und Restaurants. Wer das Dorf erkunden möchte, kann einer ausgeschilderten Route folgen. Während des Spaziergangs hört man Wassermühlen rauschen. Wer so wie wir im Frühling kommt, sieht vielerorts blühende Rosenbüsche, die Mauern aus altem grauen Stein schmücken. Es wird schnell klar, woher das Dorf seinen Namen hat.
Veules-les-Roses ist eines der ältesten Dörfer des Pays de Caux. Bereits im 4. Jahrhundert soll es historisch nachgewiesen sein. Nachlesen kann man das auf der Internetseite www.normandie-tourisme.de.
All das war für uns aber nicht allein ausschlaggebend, um während unserer Normandie-Reise in Veules-les-Roses Station zu machen. Wir hatten viel in Reiseführern gelesen, um uns vorzubereiten. Dass wir an die Alabasterküste wollten war schnell klar. Aber wohin genau? Viele Orte kommen in Frage. Mers-les Bains, Protégé, Dieppe, St.Valerie aux Caux, Pourville, wo Claude Monet malte, Fecamp und natürlich Étretat mit dem malerischen Felsentor.
Wohin also? Unsere Wahl fiel auf Veules-les-Roses, weil die Bilder, die wir sahen, wirklich einladend waren und weil der Campingplatz dort oben auf den Klippen liegt. Von dort aus hat man einfach einen tollen Blick, hofften wir.
Wir werden nicht enttäuscht. Und noch viel mehr. Wir erleben seltene Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.
Ich muss das kurz erzählen. Als wir von Gent Richtung Normandie fahren, hören wir mehrmals ein merkwürdiges Rumpeln. Wir haben schnell die Lenkung in Verdacht. Auf dem Campingplatz angekommen fragen wir nach einer Werkstatt und erhalten eine Adresse in einem kleinen Nachbarort.
Wir finden eine für deutsche Verhältnisse wirklich winzige Werkstatt, aber sie entpuppt sich als Ort, an dem leidenschaftliche Bastler arbeiten. Der Werkstattleiter nimmt sich sofort unseres Problems an, startet zu einer Probefahrt und findet auch schnell das Problem: Ein Bolzen an der Befestigung eines Vorderrades ist locker.
Der Schaden lässt sich schnell beheben. Der Werkstatt-Chef will anschließend nicht einmal Geld für seine Arbeit annehmen. Immerhin können wir etwas in die Kaffeekasse einzahlen. Offenbar ist es für den freundlichen Mann ganz selbstverständlich, Fremden zu helfen. Wir fühlen uns in der Normandie willkommen und gut aufgenommen.
Veules-les-Roses kann aber auch mit seinen rein touristischen Attraktionen glänzen. Die Steilküste ist malerisch. Nachdem wir viele Fotos in den Reiseführern gesehen hatten, waren unsere Erwartungen groß, aber als ich oben auf den Klippen stehe, den Wind im Gesicht spüre, von der tief stehenden Sonne geblendet werde und Salz auf den Lippen schmecke, ist alles unglaublich intensiv.
Eines sollte man auf alle Fälle nicht verpassen: bei Ebbe unterhalb der Felsen entlang wandern und das Farbenspiel des Lichts bestaunen – und dabei natürlich schöne Muscheln sammeln.
Immer wieder begegnet man an der Alabasterküste der Geschichte. Die Franzosen in der Normandie halten die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg wach. Wir kommen an einem Militärfriedhof vorbei und sehen die Überreste von Bunkern. Es gibt umfangreiche Informationstafeln. Ein Weg entlang der Küste ist nach einem schottischen Offizier benannt: Derek Lang. Er war dabei, als die Deutschen 1940 Frankreich besetzten. Er wurde gefangen genommen und floh. Vier Jahre später kam er zurück, als die alliierten Streitkräfte am D-Day an der Küste der Normandie landeten, um Europa von den Nazis zu befreien. Die Geschichte kann man auf Infotafeln und im Internet nachlesen.
Sie geht mir noch durch den Kopf, während wir an den Hafenanlagen entlang bummeln, uns zum Schutz vor dem kalten Westwind einmummeln und beobachten, wie sich die Wellen an der Kaimauer brechen.
Es wird Zeit, die malerische Seite von Veules-les-Roses zu entdecken. Am besten folgt man dabei einem ausgeschilderten Rundkurs durch den historischen Stadtkern. Kurz gesagt: Es ist eine Idylle, besonders wenn die Sonne scheint. Vom Wind draußen an der Küste ist im Ort nicht viel zu spüren. Wir genießen den Blick auf Wassermühlen, alte Steinhäuser und ein Gutshaus in einem großen Park. Alles ist hübsch gepflegt. An einer Stelle führt der Weg entlang des Flusses direkt durch einen kleinen Garten. Ein junges Paar sitzt beim Frühstück am Wasser. Die beiden sind Passanten offensichtlich gewohnt. Sie grüßen freundlich und lächeln.
Am nächsten Tag wandern wir die Küste entlang nach Sotteville. Der Weg führt oben auf den Klippen entlang. Es ist nicht weit, 3,5 Kilometer. Wir sehen das Meer, Felder, zwei Bauern, die mit ihren Traktoren unterwegs sind. Wir beobachten Möwen und halten nach Segelschiffen Ausschau. Und dann sind wir auch schon im kleinen Sotteville – ein Dorf mit nur 394 Einwohnern. Im Zentrum gibt es eine alte Steinkirche. Drum herum stehen Häuser, die aussehen, als seien sie im 16. Jahrhundert erbaut worden. Wir finden ein kleines Café, machen Pause und kehren dann um.
Eines sollte man in Sotteville keinesfalls verpassen. An der Küste gibt es eine Treppe, die von den Klippen steil hinunter zum Meer führt. 231 Betonstufen führen hinunter. Es ist wirklich sehr steil – und unten pfeift mir der Westwind mächtig um die Ohren.
Früher muss es dort richtig abenteuerlich gewesen sein. Die Treppe wurde im 19. Jahrhundert aus Holz gebaut. Fischer nutzen sie, um unten zu ihren Booten zu gelangen, mit denen sie hinaus aufs Meer fuhren. Wir lesen das auf einer Informationstafel und sehen dann den großen Wellen zu, die sich an den Felsen brechen.
Faszinierende Küstenlandschaften gibt es auch in der Bretagne, Trègastel ist sicher einen Besuch wert. Eine Story dazu gibt es hier.
Gute Infos für eine Normandie-Reise gibt es auch auf dieser Website. Beim Anklicken verlassen Sie allerdings den Geltungsbereich meiner homepage. Trotz intensiver Kontrolle habe ich keinen Einflus auf die Inhalte externer Links: www.normandie-tourisme.de.
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